Ich gestehe

9 März 2026

In die­sem Bei­trag ver­rate ich erst­mals einer brei­ten Öffent­lich­keit, dass ich eine Idee gestoh­len habe – jene für mei­nen 2019 erschie­ne­nen Krimi „Töd­li­cher Halt“. Das Opfer ist ein Stu­dent, der Mitte der Neun­zi­ger­jahre auf die ver­rückte Idee kam, ein Buch mit poli­ti­scher Bot­schaft zu schrei­ben.

„Kastanien ins Feuer“

Offen­bar getrie­ben von den Gräu­el­ta­ten von Neo­na­zis in Solin­gen, Hoyers­werda, Mölln und Lich­ten­ha­gen wollte er wohl ein Zei­chen set­zen und ließ in sei­nem Werk mit dem mys­ti­schen Titel „Kas­ta­nien ins Feuer“ acht Skin­heads ster­ben, erschos­sen von den Stu­den­ten Daniel und Bernd, die für einen Heh­ler Waf­fen trans­por­tier­ten und zufäl­lig am Tat­ort lan­de­ten.

Daniel ver­sucht spä­ter, die Tat vor sich zu recht­fer­ti­gen: Man müsse die Kas­ta­nien ins Feuer wer­fen, also ver­nich­ten, bevor sie zu viel Scha­den anrich­ten. Mög­li­che Erklä­rung: Kas­ta­nien sind irgend­wie braun (wie Nazis); und es gibt die­ses Sprich­wort mit den Kas­ta­nien, die man aus dem Feuer holt. Puh. Was so in den Köp­fen man­cher Stu­den­ten vor sich geht.

„Das Massaker von Wittmar“

Beim „Mas­sa­ker von Witt­mar“, wie die Medien im Buch die Hin­rich­tung der Skins nen­nen, ermit­telt ein Kri­mi­nal­kom­mis­sar aus einem Kaff an der frü­he­ren Zonen­grenze. Am Ende gibt es als Show­down eine Hom­mage an den Film „Butch Cass­idy and The Sun­dance Kid“.

Soweit zu „Kas­ta­nien ins Feuer“. Wer „Töd­li­cher Halt“ kennt, wird ver­ste­hen, was ich meine: Die Geschich­ten ähneln ein­an­der sehr. Der Kri­mi­nal­kom­mis­sar in „Töd­li­cher Halt“ heißt selbst­ver­ständ­lich Hel­mut Jor­dan, es ist sein aller­ers­ter gro­ßer Fall. Er bekommt im geklau­ten Buch wesent­lich mehr Raum als im Ori­gi­nal. Vor allem bekommt er einen wei­te­ren Fall, bei dem er in Not­wehr von sei­ner Schuss­waffe Gebrauch macht, wie es so schön im Beam­ten­jar­gon heißt.

Die Stu­den­ten hei­ßen noch immer Daniel und Bernd – und zusam­men mit ihnen fra­gen sich Hel­mut Jor­dan und alle Leser: Durf­ten sie acht Skins erschie­ßen, um einem tür­ki­schen Gast­wirt das Leben zu ret­ten? Oder: Wo endet Zivil­cou­rage und wo beginnt Mord?

Autorenfoto Portrait Arne Dessaul

In bei­den Wer­ken bleibt die Frage unbe­ant­wor­tet. Ein biss­chen was kön­nen schließ­lich auch die Leser leis­ten. Oder ist dies zu viel ver­langt? Einige moch­ten jeden­falls das in vie­ler­lei Hin­sicht offene Ende von „Töd­li­cher Halt“ nicht. Erwar­ten sie, dass der Autor alle Frage beant­wor­tet? Das sind grund­le­gende The­men bei Kunst­wer­ken, denke ich. Rich­tig oder falsch erge­ben sich nicht von selbst.

Ihr könnt es euch längst den­ken: Ich habe mich selbst bestoh­len. Ich wollte ver­su­chen, aus einer unrei­fen Geschichte das Beste her­aus­zu­ho­len. Einige Pas­sa­gen habe ich unver­än­dert gelas­sen – als Stu­dent hatte ich mich etwas bes­ser in Dani­els Kopf hin­ein­ver­set­zen kön­nen als mit Anfang 50.

Die Frage nach der Schuld

Wahr­schein­lich würde ich das Buch heute anders schrei­ben. Oder gar nicht. Ich bin froh, dass ich es in den Neun­zi­gern geschrie­ben und 25 Jahre spä­ter, in geän­der­ter Fas­sung, ver­öf­fent­licht habe – dass der Krimi exis­tiert und gele­sen wird. Es atmet den Geist einer Zeit, in der Men­schen Häu­ser anzün­de­ten und andere Men­schen zu Tode prü­gel­ten. Ich möchte nicht, dass sich das wie­der­holt.

Das beant­wor­tet nicht die Frage nach der Schuld von Daniel und Bernd. Lest bitte das Buch (falls noch nicht gesche­hen) und bil­det euch eine Mei­nung. Ver­ra­tet mir gern diese Mei­nung, auf wel­chem Kanal auch immer.

Dar­auf kannst du dich freuen, wenn du „Töd­li­cher Halt“ liest:

  • Mehr­fach­mord
  • Skins
  • Wie­der­ver­ei­ni­gung
  • Neun­zi­ger­jahre
  • Ras­sis­mus
  • Ers­ter Fall
  • Nie­der­sach­sen + Wol­fen­büt­tel + Harz
  • Zivil­cou­rage oder Mord??
  • Dilemma

Ein signier­tes Exem­plar von Töd­li­cher Halt erhal­ten.

Buchcover von Arne Dessauls Kriminalroman „Tödlicher Halt“