Künstliche Intelligenz, KI oder, wenn es mal wieder Englisch sein muss, AI, bestimmt wesentlich länger unser Leben, als es den meisten bewusst ist. Durch ChatGPT bekam die Sache allerdings eine neue Dynamik, weil es unter anderem plötzlich für alle möglich war, KI ein Gedicht verfassen zu lassen, eine E‑Mail oder das Konzept für ein Projekt. Weil es möglich war, taten es viele.
Es dauerte jedoch nicht lang, bis erste Konflikte über den KI-Einsatz – ich fokussiere mich nun auf die Kunst – entbrannten: Darf man Kunst mithilfe von KI erschaffen? Wer oder was ist dann der Künstler? Gilt dann etwa bereits Prompten als Kunst? Wo liegen die ethischen Grenzen?
Gefährliche Gedankenstriche
In der Buchblase, um den Fokus weiter zu schärfen, drehte es sich rasch um per Künstlicher Intelligenz erzeugte Cover und Illustrationen der Figuren, später um Textpassagen, um Klappentexte und Exposees, gar um Romane, die erfolgreiche Influencerinnen (allerdings nicht zwangsweise für Literatur) gerüchteweise komplett von einer KI schreiben ließen (und die sich angeblich verkauften wie geschnitten Brot). Bestimmte Satzzeichen gerieten in Verdacht, dass ChatGPT oder andere Intelligenzen beim Schreiben geholfen haben. Viele Gedankenstriche beispielsweise deuten auf KI hin. Unsichere Autorinnen tilgten daraufhin vorsichtshalber massenhaft Gedankenstriche in ihren Manuskripten.
Dieser Tage fluten Zeichentrickbildchen die Timelines auf Facebook, TikTok und Instagram. Sie zeigen User (egal, ob Autor, Friseur oder Buchhalter) bei der Arbeit – und sehen alle irgendwie gleich (egal, ob Autor, Friseur oder Buchhalter) und extrem langweilig aus, genau wie die KI-geschaffenen und vorhin erwähnten Illus der Charaktere. Alles austauschbar. Die Flut an Bildchen bei dieser Challenge spricht aber zugleich für die Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz in der Buchblase.
Ich nutze es nicht
Gleichwohl melden sich ebenfalls die Gegner, sie erinnern an die gigantische Energieverschwendung zum Beispiel bei der erwähnten Challenge. Auch ethische Aspekte spielen eine Rolle. Dazu das, was ich hier ständig hervorhebe: das Seelenlose und Austauschbare von vielen von KI erzeugten Inhalten jeglicher Art.
Da ich mich ausschließlich mit KI im Umfeld von Literatur und der dazugehörigen Community in den sozialen Netzwerken beschäftigt habe, beschränkt sich meine Haltung zur KI auf ebendiesen Bereich, und da sage ich: Ich nutze es nicht.
Ich halte im Übrigen auch nichts davon, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens mindestens ein Buch geschrieben haben muss. Wer es ausschließlich mit KI-Support hinbekommen könnte, soll es halt lassen. Es gibt viele andere sinnstiftende, schöne Dinge im Leben. Malen, singen, tanzen, Autos reparieren, Menschen pflegen, programmieren, frisieren, unterrichten. Ich kann nichts davon, und das stört mich nicht. Okay, ein bisschen tanzen und singen, das wäre sehr nett.
Meine Wünsche an Kollege „Chattie“
In der kurzen Goldgräberstimmung zu Beginn von ChatGPT habe ich es einmal selbst ausprobiert: für ein Anschreiben und für ein Romankapitel. Das Wort „Prompten“ im Kontext von Künstlicher Intelligenz kannte ich da noch nicht. Ich habe meine Wünsche an „Chattie“ rein intuitiv formuliert, das Resultat war verheerend, worüber ich sehr froh war.
Nachtrag vom 10. April 2026: Das Thema hat in der Buchszene kürzlich wieder mächtig an Brisanz gewonnen, da der Verlag Hachette ein größtenteils von KI verfasstes Buch vom Markt nahm. Schlimm daran ist vor allem, dass die Experten beim Verlag es nicht merkten, sondern erst die Leser. Mehr dazu in der Frankfurter Rundschau.
Darauf kannst du dich freuen, wenn du „Ewige Schuld“ liest:
- Erste Liebe
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