Lesewesen als Persona

17 März 2026

Neu­lich auf Face­book ging es darum, wie wir Autoren uns die Men­schen vor­stel­len, die unsere Bücher lesen – die Per­sona, um mal ein Mar­ke­ting­kon­strukt zu über­neh­men, das wie­derum auf Ideen der Ana­ly­ti­schen Psy­cho­lo­gie basiert und womög­lich schon in irgend­ei­ner Form exis­tierte, als wir noch Höh­len­wände voll­krit­zel­ten.

Persona ohne grünen Daumen

Ich lasse da jetzt mal ein paar Aspekte weg, da sie für mich keine Rolle spie­len. Mir ist es bei­spiels­weise egal, ob der Mensch, der mein Buch liest, auf dem Land wohnt oder in der Stadt, ob er im Hand­werk arbei­tet oder an der Uni lehrt, ob er einen grü­nen Dau­men besitzt oder nicht.

Mei­nes Erach­tens dür­fen dar­über hin­aus weder Geschlecht noch Alter der Per­sona eine Rolle spie­len. Ich weiß zwar, dass etwa zwei Drit­tel mei­ner Lese­we­sen Frauen zwi­schen 30 und 65 sind. Das blende ich jedoch beim Schrei­ben aus bzw. gehe sowieso davon aus, dass es kei­nen Rie­sen­un­ter­schied macht, ob Mann oder Frau mein Buch lesen. Haupt­sa­che, jemand tut es.

Eine schwarze Katze hat es sich inmitten von Bücherstapeln gemütlich gemacht.

Die wich­tigste Eigen­schaft mei­ner Per­sona lau­tet selbst­ver­ständ­lich: Sie liest gern, unter ande­rem Kri­mis, im Ide­al­fall sol­che, wo sie mit­ra­ten kann, wer es war, wie und warum, und wo nicht allein Action im Vor­der­grund steht, son­dern in ers­ter Linie die gute alte Ermitt­lung. Die Per­sona mag zudem Sto­rys, in denen es ver­schie­dene Hand­lungs­stränge mit oft mehr als zehn Figu­ren gibt, die unter­halt­sam bis humor­voll sind und die nicht in New York, Rio, Tokio, Ber­lin oder an der Nord­see spie­len.

Meine Per­sona akzep­tiert außer­dem klag­los, dass sich der (per­so­nale oder Ich-) Erzäh­ler bis­wei­len mit poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Fra­gen beschäf­tigt und diese nicht immer so beant­wor­tet, dass es allen gefällt. Kon­kret: Die meis­ten Ant­wor­ten gefal­len bloß Men­schen so rich­tig, rich­tig gut, die poli­tisch in etwa zwi­schen Wüst/​Günther und Özdemir/​Klingbeil ange­sie­delt sind, kei­nes­wegs aber Leu­ten, die sich weit rechts oder links davon bewe­gen.

Persona stürzt sich ins Lese-Abenteuer

Die Per­sona stürzt sich ins Lese-Aben­teuer, obwohl es bei mir – außer Genre und Klap­pen­text – keine (Warn-)Hinweise auf den Inhalt gibt. Es pas­siert in mei­nen Büchern aller­dings auch nichts, was den Rah­men eines Cozy Kri­mis groß­ar­tig spren­gen würde. Klar, es ster­ben Leute, andere prü­geln sich oder betrü­gen ihre Ehe­part­ner, trin­ken Alko­hol, rau­chen und flu­chen. Es sind halt Kri­mis.

In mei­ner Dys­to­pie „Die Neue Mauer“ sieht es etwas anders aus. Die­ses Werk ist jedoch bei Redrum Books erschie­nen und ent­spre­chend gestal­tet und gela­belt. Leser der Bücher (Hard­core in vie­ler­lei Hin­sicht) von Redrum erwar­ten ohne­hin noch viel mehr Gewalt, als sie in mei­ner Dys­to­pie vor­kommt. Und dabei han­delt es sich um For­men von Gewalt, die mein Vor­stel­lungs­ver­mö­gen kom­plett spren­gen.

Eine Katze stirbt. Versehentlich.

Nichts­des­to­trotz stirbt in „Die Neue Mauer“ eine Katze. Ver­se­hent­lich. Aber tot ist tot. Sollte es je eine zweite Auf­lage geben, werde ich sie ret­ten. In der Zwi­schen­zeit ist näm­lich unser Kater Theo gestor­ben, er war fünf­zehn, das hat meine Ein­stel­lung zu toten Kat­zen in Roma­nen dann doch irgend­wie beein­flusst.

Ich möchte aller­dings jetzt nicht jeden Mist selbst erle­ben, um ihn anders zu beur­tei­len. Ich höre mir aber gern an, wie meine Lese­rin­nen und Leser zu bestimm­ten Aspek­ten ste­hen. Und ob sie sich in mei­ner Per­sona wie­der­fin­den. Ich bitte um Rück­mel­dung. Auf wel­chem Kanal auch immer.

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