Neulich auf Facebook ging es darum, wie wir Autoren uns die Menschen vorstellen, die unsere Bücher lesen – die Persona, um mal ein Marketingkonstrukt zu übernehmen, das wiederum auf Ideen der Analytischen Psychologie basiert und womöglich schon in irgendeiner Form existierte, als wir noch Höhlenwände vollkritzelten.
Persona ohne grünen Daumen
Ich lasse da jetzt mal ein paar Aspekte weg, da sie für mich keine Rolle spielen. Mir ist es beispielsweise egal, ob der Mensch, der mein Buch liest, auf dem Land wohnt oder in der Stadt, ob er im Handwerk arbeitet oder an der Uni lehrt, ob er einen grünen Daumen besitzt oder nicht.
Meines Erachtens dürfen darüber hinaus weder Geschlecht noch Alter der Persona eine Rolle spielen. Ich weiß zwar, dass etwa zwei Drittel meiner Lesewesen Frauen zwischen 30 und 65 sind. Das blende ich jedoch beim Schreiben aus bzw. gehe sowieso davon aus, dass es keinen Riesenunterschied macht, ob Mann oder Frau mein Buch lesen. Hauptsache, jemand tut es.

Die wichtigste Eigenschaft meiner Persona lautet selbstverständlich: Sie liest gern, unter anderem Krimis, im Idealfall solche, wo sie mitraten kann, wer es war, wie und warum, und wo nicht allein Action im Vordergrund steht, sondern in erster Linie die gute alte Ermittlung. Die Persona mag zudem Storys, in denen es verschiedene Handlungsstränge mit oft mehr als zehn Figuren gibt, die unterhaltsam bis humorvoll sind und die nicht in New York, Rio, Tokio, Berlin oder an der Nordsee spielen.
Meine Persona akzeptiert außerdem klaglos, dass sich der (personale oder Ich-) Erzähler bisweilen mit politischen und gesellschaftlichen Fragen beschäftigt und diese nicht immer so beantwortet, dass es allen gefällt. Konkret: Die meisten Antworten gefallen bloß Menschen so richtig, richtig gut, die politisch in etwa zwischen Wüst/Günther und Özdemir/Klingbeil angesiedelt sind, keineswegs aber Leuten, die sich weit rechts oder links davon bewegen.
Persona stürzt sich ins Lese-Abenteuer
Die Persona stürzt sich ins Lese-Abenteuer, obwohl es bei mir – außer Genre und Klappentext – keine (Warn-)Hinweise auf den Inhalt gibt. Es passiert in meinen Büchern allerdings auch nichts, was den Rahmen eines Cozy Krimis großartig sprengen würde. Klar, es sterben Leute, andere prügeln sich oder betrügen ihre Ehepartner, trinken Alkohol, rauchen und fluchen. Es sind halt Krimis.
In meiner Dystopie „Die Neue Mauer“ sieht es etwas anders aus. Dieses Werk ist jedoch bei Redrum Books erschienen und entsprechend gestaltet und gelabelt. Leser der Bücher (Hardcore in vielerlei Hinsicht) von Redrum erwarten ohnehin noch viel mehr Gewalt, als sie in meiner Dystopie vorkommt. Und dabei handelt es sich um Formen von Gewalt, die mein Vorstellungsvermögen komplett sprengen.
Eine Katze stirbt. Versehentlich.
Nichtsdestotrotz stirbt in „Die Neue Mauer“ eine Katze. Versehentlich. Aber tot ist tot. Sollte es je eine zweite Auflage geben, werde ich sie retten. In der Zwischenzeit ist nämlich unser Kater Theo gestorben, er war fünfzehn, das hat meine Einstellung zu toten Katzen in Romanen dann doch irgendwie beeinflusst.
Ich möchte allerdings jetzt nicht jeden Mist selbst erleben, um ihn anders zu beurteilen. Ich höre mir aber gern an, wie meine Leserinnen und Leser zu bestimmten Aspekten stehen. Und ob sie sich in meiner Persona wiederfinden. Ich bitte um Rückmeldung. Auf welchem Kanal auch immer.
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