Wie Helmut Jordan in der Sackgasse um sein Leben kämpft

6 Mai 2025

Mein vier­ter Krimi, „Töd­li­cher Halt“, beginnt mit einem Cliff­han­ger im kur­zen Pro­log: Nach nur andert­halb Sei­ten lasse ich meine Leser mit der ban­gen Frage zurück, was aus Hel­mut Jor­dan wird? Diese Frage beant­worte ich erst einige Kapi­tel spä­ter.

Gegen Rechtsextremismus

Zwi­schen­durch erfah­ren wir, wie Hel­mut in diese miss­li­che Lage, sprich in die Sack­gasse geriet, und wir ler­nen zwei Stu­den­ten ken­nen, die Waf­fen von Bonn nach Ber­lin trans­por­tie­ren. Wenig über­ra­schend gera­ten auch sie in Gefahr. Nur in mei­ner Dys­to­pie „Die Neue Mauer“ ster­ben mehr Men­schen als in „Töd­li­cher Halt“. Es han­delt sich zugleich um meine poli­tischs­ten Bücher, in denen ich Stel­lung beziehe gegen Rechts­extre­mis­mus und vor des­sen Gefah­ren warne. Das tue ich auch in ande­ren Büchern, aber etwas sub­ti­ler. Ich möchte nicht um jeden Preis als poli­ti­scher Autor wahr­ge­nom­men wer­den.

Mehr Infos zum Buch fin­det ihr wie üblich in der Rubrik Meine Bücher. So, und jetzt ab in den Pro­log.

In der Sackgasse

Endet hier die Geschichte? In die­ser Sack­gasse, von deren Exis­tenz Hel­mut Jor­dan bis­lang keine Ahnung hatte? Der Wol­fen­büt­te­ler Kri­mi­nal­kom­mis­sar kannte die Kneipe in dem klei­nen Dorf Sem­men­stedt nur vom Vor­bei­fah­ren und hatte nie auf den schma­len Weg links vom Lokal geach­tet. Hin­ter Hel­mut ragte eine Back­stein­mauer in die Höhe, an die er den Rücken der­art fest presste, bis es weh­tat. Der Kies knirschte unter sei­nen Soh­len.

Links und rechts von ihm erho­ben sich eben­falls Mau­ern, die für ihn unüber­wind­bar waren. Vor ihm, etwa 15 Meter ent­fernt am ande­ren Ende des schma­len Weges, lag die Bun­des­straße 79; hin und wie­der wehte der laue Früh­lings­wind das Geräusch eines vor­bei­fah­ren­den Autos her­über.

Doch die Straße blieb uner­reich­bar, den Weg dort­hin ver­sperrte der kom­plett in Weiß geklei­dete Mann: Stirn­band, Mus­kel­shirt, Jog­ging­hose, Turn­schuhe – alles weiß.

Schwarz wie der Tod

So erkannte man ihn selbst in der Dun­kel­heit und die Farbe passte kein biss­chen zu die­sem Kerl. Die Farbe schwarz hätte gepasst, schwarz wie der Tod. Diese Gedan­ken hal­fen nichts, denn der Mann in Weiß stand reg­los am ande­ren Ende der Gasse, die Beine fest in den Asphalt gerammt. Nur die rechte Hand bewegte sich, sie schlug den Base­ball­schlä­ger im Takt in die geöff­nete linke Hand.

Patsch, Patsch, Patsch.

Trom­melte er einen popu­lä­ren Rhyth­mus? Den Takt eines aktu­el­len Rap­songs? Oder das neue Lied vom Tod?

Die Ruhe des Man­nes führte kom­plett in die Irre, denn er war voll­ge­tankt mit Dro­gen, mit Amphet­ami­nen, mit Crack und mit Kokain. Eine wan­delnde Zeit­bombe, die jeden Au­genblick zu explo­die­ren drohte. Der Mann selbst würde die Explo­sion ver­mut­lich über­le­ben, Hel­mut hin­ge­gen nicht. Die­ser Sams­tag im Mai 1992 schien sein letz­ter Tag auf Erden zu sein, und in die­ser Sack­gasse würde es enden.

Buchcover von Arne Dessauls Kriminalroman „Tödlicher Halt“