Mein vierter Krimi, „Tödlicher Halt“, beginnt mit einem Cliffhanger im kurzen Prolog: Nach nur anderthalb Seiten lasse ich meine Leser mit der bangen Frage zurück, was aus Helmut Jordan wird? Diese Frage beantworte ich erst einige Kapitel später.
Gegen Rechtsextremismus
Zwischendurch erfahren wir, wie Helmut in diese missliche Lage, sprich in die Sackgasse geriet, und wir lernen zwei Studenten kennen, die Waffen von Bonn nach Berlin transportieren. Wenig überraschend geraten auch sie in Gefahr. Nur in meiner Dystopie „Die Neue Mauer“ sterben mehr Menschen als in „Tödlicher Halt“. Es handelt sich zugleich um meine politischsten Bücher, in denen ich Stellung beziehe gegen Rechtsextremismus und vor dessen Gefahren warne. Das tue ich auch in anderen Büchern, aber etwas subtiler. Ich möchte nicht um jeden Preis als politischer Autor wahrgenommen werden.
Mehr Infos zum Buch findet ihr wie üblich in der Rubrik Meine Bücher. So, und jetzt ab in den Prolog.
In der Sackgasse
Endet hier die Geschichte? In dieser Sackgasse, von deren Existenz Helmut Jordan bislang keine Ahnung hatte? Der Wolfenbütteler Kriminalkommissar kannte die Kneipe in dem kleinen Dorf Semmenstedt nur vom Vorbeifahren und hatte nie auf den schmalen Weg links vom Lokal geachtet. Hinter Helmut ragte eine Backsteinmauer in die Höhe, an die er den Rücken derart fest presste, bis es wehtat. Der Kies knirschte unter seinen Sohlen.
Links und rechts von ihm erhoben sich ebenfalls Mauern, die für ihn unüberwindbar waren. Vor ihm, etwa 15 Meter entfernt am anderen Ende des schmalen Weges, lag die Bundesstraße 79; hin und wieder wehte der laue Frühlingswind das Geräusch eines vorbeifahrenden Autos herüber.
Doch die Straße blieb unerreichbar, den Weg dorthin versperrte der komplett in Weiß gekleidete Mann: Stirnband, Muskelshirt, Jogginghose, Turnschuhe – alles weiß.
Schwarz wie der Tod
So erkannte man ihn selbst in der Dunkelheit und die Farbe passte kein bisschen zu diesem Kerl. Die Farbe schwarz hätte gepasst, schwarz wie der Tod. Diese Gedanken halfen nichts, denn der Mann in Weiß stand reglos am anderen Ende der Gasse, die Beine fest in den Asphalt gerammt. Nur die rechte Hand bewegte sich, sie schlug den Baseballschläger im Takt in die geöffnete linke Hand.
Patsch, Patsch, Patsch.
Trommelte er einen populären Rhythmus? Den Takt eines aktuellen Rapsongs? Oder das neue Lied vom Tod?
Die Ruhe des Mannes führte komplett in die Irre, denn er war vollgetankt mit Drogen, mit Amphetaminen, mit Crack und mit Kokain. Eine wandelnde Zeitbombe, die jeden Augenblick zu explodieren drohte. Der Mann selbst würde die Explosion vermutlich überleben, Helmut hingegen nicht. Dieser Samstag im Mai 1992 schien sein letzter Tag auf Erden zu sein, und in dieser Sackgasse würde es enden.
