In meinem aktuellen Roman „Zurück in die Jugend“ ist die Zeitreise des Protagonisten Hannes in das Jahr 1983 das zentrale Element. Mit voller Absicht reist Hannes exakt 41 Jahre in die Vergangenheit und nicht etwa 42. Die berühmte Zahl „42“ steht für eine andere Geschichte.
Zeitreisen faszinieren mich schon lange. Im Vorwort zu „Zurück in die Jugend“ liste ich eine Reihe meiner liebsten fiktionalen Werke rund ums Thema auf, darunter „12 Monkeys“, „Die Zeitmaschine“, „Zurück in die Zukunft“, „Der Anschlag“, „Geschichte machen“ und „Peggy Sue hat geheiratet“.
Zeitreisen im „Time Tunnel“
Vergessen habe ich ausgerechnet die US-Serie „Time Tunnel“, die Anfang der 1970er-Jahre im deutschen Fernsehen lief und mein Interesse überhaupt erst weckte. In „Time Tunnel“ reisen amerikanische Forscher durch die Zeit und geraten in jeder Folge mitten in ein berühmtes Ereignis. Sie wollen nur beobachten, greifen dann aber jedes Mal ein. Wäre doch cool, den Untergang der Titanic oder das Attentat auf Lincoln zu verhindern.
Das funktioniert allerdings nicht. Die Wissenschaftler können nicht in den Lauf der Geschichte eingreifen, können die Vergangenheit nicht verändern. Im Gegenteil: Bisweilen lösen sie bestimmte Ereignisse sogar erst aus, denn ihre Zeitreise, ihr Auftauchen in der Vergangenheit ist fester Bestandteil des einziges, unveränderlichen Zeitstrangs.
Wer sich mit fiktiven Zeitreisen beschäftigt, kommt selbstverständlich nicht um „Zurück in die Zukunft“ herum. Für Doc Brown ist Geschichte veränderbar. Er fürchtet, dass Martys Handlungen in der Vergangenheit die Zukunft beeinflussen. Lorraine verliebt sich in Marty alias Calvin Klein und will von anderen Kerlen nichts wissen, schon mal gar nicht von George McFly. Wenn aber Lorraine und George kein Paar werden, zeugen sie Marty nicht. Marty gefährdet mit seiner Zeitreise folglich seine Existenz, im Film veranschaulicht durch das Familienfoto, von dem Marty zu verschwinden droht (bekanntermaßen verändert Martys Zeitreise gleichwohl die Gegenwart bzw. Zukunft ein wenig: George, im ersten Zeitstrang ein absoluter Loser, mutiert im neuen Zeitstrang zum Erfolgsautor und Lebemann).
Zeitreisen trotz Großvaterparadoxon
Dieses Phänomen wird als „Großvaterparadoxon“ bezeichnet. Reise ich in die Vergangenheit und bringe (versehentlich oder mit Absicht) meinen Opa mütterlicherseits um, bevor er meine Mutter zeugt, bringe ich mich sozusagen selbst um – und kann demnach auch nicht in die Vergangenheit gereist sein …
(Achtung! Spoiler! Wer die fett markierten Bücher noch lesen möchte, sollte diesen Absatz überspringen.)
Nicht weniger kompliziert als dieses Paradoxon ist ein auf den ersten Blick erfolgreicher Eingriff in die Zeit. Im Stephen Frys Roman „Geschichte machen“ verhindern zwei Menschen die Geburt von Adolf Hitler. Weil dadurch ein wesentlich intelligenterer Mann die Führung der NSADP übernimmt, gewinnt Deutschland den Zweiten Weltkrieg. Stephen King lässt seinen Protagonisten in „Der Anschlag“ das Attentat auf JFK verhindern und löst damit nichts weniger als den Weltuntergang aus.
Veränderlichkeit und Unveränderlichkeit der Vergangenheit sind nur zwei, von mir zudem bloß grob skizzierte Überlegungen zum Zeitreisen. Erwähnt werden sollten außerdem Theorien zu verschiedenen Zeitsträngen inklusive Paralleluniversen. Das übersteigt jedoch mein Fassungsvermögen. Den Film „Everything Everywhere All at Once“ mit seinen Multiversen empfand ich als sehr anstrengend.
Peggy Sues Zeitreise
(Achtung! Spoiler! Wer den fett markierten Film noch sehen möchte, sollte diesen Absatz überspringen.)
Ich bin da mehr beim oben beschriebenen „Time Tunnel“ und dem Prinzip der Unveränderlichkeit der Vergangenheit. Ihm folgt in weiten Teilen die Filmkomödie „Peggy Sue hat geheiratet“. Ausgestattet mit dem Wissen um ihre Fehler und Versäumnisse aus über 40 Lebensjahren bekommt Peggy Sue vom Schicksal eine zweite Chance: Sie reist 25 Jahre zurück in die Vergangenheit, geht wieder auf die Highschool und versucht mit allen Kräften, nicht wieder Charlie zu verfallen, ihrem späteren Ehemann, der sie in der Gegenwart betrügt. Peggy Sue versucht es vergeblich.
Was bedeutet das nun für Hannes aus „Zurück in die Jugend“, der als ausgebuffter Endfünfziger im Körper eines 18-Jährigen im Jahr 1983 landet? Einerseits eine Menge, andererseits nichts, was ihn davon abhält, sehr viel Spaß zu haben. Denn genau darum geht es in meinem Roman.
(Achtung! Spoiler! Hannes hat in der Tat jede Menge Spaß und mit ihm – hoffentlich – alle Leserinnen und Leser.)
