Zeitreisen

6 Juni 2025

Ich wei­che auch dies­mal von mei­nem Rhyth­mus ab und ver­zichte erneut dar­auf, die chro­no­lo­gi­sche Prä­sen­ta­tion mei­ner Bücher fort­zu­set­zen. Das hole ich nach. Ver­spro­chen! Außer­dem ent­schä­dige ich euch mit einem Absatz aus mei­nem aktu­el­len Buch.

„Warum alt zu sein auch sehr schön ist“ lau­tet die unge­schrie­bene Über­schrift zum heu­ti­gen Blog­bei­trag. Für mich – als etwas älte­rem Schrift­stel­ler – bedeu­tet es: Ich kann Men­schen auf eine Reise in die Ver­gan­gen­heit mit­neh­men, die ich selbst erlebt habe und die mich sehr geprägt hat. Eine Reise, die ich des­halb beson­ders authen­tisch erzäh­len kann.

Zeitreise 1: Ausflüge in die Vergangenheit

Für mich ist dies der Zeit­raum vom frü­hen Teen­ager- bis zum jun­gen Erwach­se­nen­al­ter mit Ende 20; also, grob gesagt, die Zeit ab der zwei­ten Hälfte der Sieb­zi­ger- bis zum Anfang der Neun­zi­ger­jahre. Diese Lebens­phase hat mich (und garan­tiert die meis­ten Men­schen) nach­hal­tig beein­flusst.

Keine große Über­ra­schung, dass all meine bis­he­ri­gen Aus­flüge in die Ver­gan­gen­heit die­sen Zeit­raum strei­fen: In „Tritt­brett­mör­der“ sind es die spä­ten Acht­zi­ger­jahre mit dem fik­ti­ven Abitur­jahr­gang 1989 am Gym­na­sium im Schloss in Wol­fen­büt­tel. In „Bau­ern­jä­ger“ und in „Ewige Schuld“ sind es die mitt­le­ren Sieb­zi­ger­jahre in mei­nem Hei­mat­dorf und in „Töd­li­cher Halt“ die frü­hen Neun­zi­ger, eben­falls in mei­ner alten Hei­mat.

Der Abitur­jahr­gang (ja klar, „mein Abitur­jahr­gang“), den ich in „Tritt­brett­mör­der“ vor­stelle, erin­nert man­che Men­schen zurecht an reale Per­so­nen; einige Mit­schü­ler haben sich sogar per­sön­lich wie­der­erkannt. Aller­dings habe ich unser gemein­sa­mes Abitur bewusst um fünf Jahre nach hin­ten ver­scho­ben. „Tritt­brett­mör­der“ spielt größ­ten­teils im Jahre 2014 und das geplante Tref­fen zu „25 Jahre Abi“ eine zen­trale Rolle.

Zeitreise 2: Zurück in die Jugend

In mei­nem neu­es­ten Werk „Zurück in die Jugend“ ist es anders­rum: Hier dreht sich tat­säch­lich alles um den Jahr­gang, der 1984 am Gym­na­sium im Schloss Abitur machen wird. Aller­dings zeige ich die­sen Jahr­gang am Ende der zwölf, im Som­mer 1983, und es gibt nur wenige, sehr vor­sich­tige Annä­he­run­gen an echte Men­schen.

Mich selbst sucht man sowieso mal wie­der ver­ge­bens in einer tra­gen­den Rolle. Meine eige­nen Erfah­run­gen und Ein­stel­lun­gen über­trage ich wie gewohnt auf ver­schie­dene Cha­rak­tere. In „Zurück in die Jugend“ erlaube ich mir dabei eine Wie­der­ho­lung. Wie in „Tritt­brett­mör­der“ erwähne ich die Schul­thea­ter AG am Schloss, der ich in der Tat ein Stück lang ange­hörte. Ich sprang im letz­ten Schul­jahr kurz­fris­tig für einen Mit­schü­ler ein und gab Exkö­nig Nim­rod in Dür­ren­matts „Ein Engel kommt nach Baby­lon“. Die Auf­füh­rung wurde zu ver­schie­de­nen Thea­ter­tref­fen ein­ge­la­den. Sie war also ziem­lich gut, was nicht unbe­dingt pri­mär an mir lag.

Heute mal nicht die Welt retten

In „Zurück in die Jugend“ sieht sich der Zeit­rei­sende Han­nes Anfang Juni 1983 eine Auf­füh­rung des Eng­lisch­leis­tungs­kur­ses an, „An Inspec­tor Calls“. In sei­nem ers­ten 1983 war Han­nes ziem­lich scharf auf eine der Dar­stel­le­rin­nen, Britta aus der drei­zehn. Also ein Jahr­gang über Han­nes – und damit uner­reich­bar? Damals? Und jetzt auf der Zeit­reise? Ich will nicht spoi­lern. Statt­des­sen lasse ich Han­nes kurz beschrei­ben, wie er Britta in sei­nem ers­ten 1983, trotz des Alters­un­ter­schie­des, ken­nen­ge­lernt hat:

„Wir ken­nen uns von der Pro­jekt­wo­che im Januar. Es war das ein­zige Pro­jekt für die Ober­stufe, bei dem es nicht ums Welt­ret­ten ging, das Pro­jekt folg­lich, in dem alle Schü­ler lan­de­ten, die gerade mal nicht die Welt ret­ten woll­ten. Gelan­det wären, denn die Leh­rer muss­ten losen und circa drei­hun­dert­fünf­zig Schü­ler bit­ter ent­täu­schen – von drei­hun­dert­acht­zig in der Ober­stufe. Unge­fähr zehn woll­ten die Welt ret­ten, alle ande­ren bewar­ben sich um die zwan­zig Plätze in die­sem Pro­jekt. Britta und ich hat­ten Los­glück und jede Menge Spaß. Irgend­was mit Musik.“

Warum alt zu sein auch sehr schön ist

„Warum alt zu sein auch sehr schön ist“. Ich glaube, ich werde die­sen Gedan­ken wei­ter­ver­fol­gen, bestimmt wie­der mit­hilfe mei­ner Zeit­reise-Geschichte, für die ich dann auch gleich wer­ben kann. Ich möchte gern mög­lichst viele Men­schen dazu brin­gen, „Zurück in die Jugend“ zu lesen. Egal, ob sie diese Zeit – wie ich ‑als Jugend­li­che mit­er­lebt haben oder sie nur vom Hören­sa­gen ken­nen. Es ist so eine fröh­li­che, posi­tive Geschichte. Hach …