Ich weiche auch diesmal von meinem Rhythmus ab und verzichte erneut darauf, die chronologische Präsentation meiner Bücher fortzusetzen. Das hole ich nach. Versprochen! Außerdem entschädige ich euch mit einem Absatz aus meinem aktuellen Buch.
„Warum alt zu sein auch sehr schön ist“ lautet die ungeschriebene Überschrift zum heutigen Blogbeitrag. Für mich – als etwas älterem Schriftsteller – bedeutet es: Ich kann Menschen auf eine Reise in die Vergangenheit mitnehmen, die ich selbst erlebt habe und die mich sehr geprägt hat. Eine Reise, die ich deshalb besonders authentisch erzählen kann.
Zeitreise 1: Ausflüge in die Vergangenheit
Für mich ist dies der Zeitraum vom frühen Teenager- bis zum jungen Erwachsenenalter mit Ende 20; also, grob gesagt, die Zeit ab der zweiten Hälfte der Siebziger- bis zum Anfang der Neunzigerjahre. Diese Lebensphase hat mich (und garantiert die meisten Menschen) nachhaltig beeinflusst.
Keine große Überraschung, dass all meine bisherigen Ausflüge in die Vergangenheit diesen Zeitraum streifen: In „Trittbrettmörder“ sind es die späten Achtzigerjahre mit dem fiktiven Abiturjahrgang 1989 am Gymnasium im Schloss in Wolfenbüttel. In „Bauernjäger“ und in „Ewige Schuld“ sind es die mittleren Siebzigerjahre in meinem Heimatdorf und in „Tödlicher Halt“ die frühen Neunziger, ebenfalls in meiner alten Heimat.
Der Abiturjahrgang (ja klar, „mein Abiturjahrgang“), den ich in „Trittbrettmörder“ vorstelle, erinnert manche Menschen zurecht an reale Personen; einige Mitschüler haben sich sogar persönlich wiedererkannt. Allerdings habe ich unser gemeinsames Abitur bewusst um fünf Jahre nach hinten verschoben. „Trittbrettmörder“ spielt größtenteils im Jahre 2014 und das geplante Treffen zu „25 Jahre Abi“ eine zentrale Rolle.
Zeitreise 2: Zurück in die Jugend
In meinem neuesten Werk „Zurück in die Jugend“ ist es andersrum: Hier dreht sich tatsächlich alles um den Jahrgang, der 1984 am Gymnasium im Schloss Abitur machen wird. Allerdings zeige ich diesen Jahrgang am Ende der zwölf, im Sommer 1983, und es gibt nur wenige, sehr vorsichtige Annäherungen an echte Menschen.
Mich selbst sucht man sowieso mal wieder vergebens in einer tragenden Rolle. Meine eigenen Erfahrungen und Einstellungen übertrage ich wie gewohnt auf verschiedene Charaktere. In „Zurück in die Jugend“ erlaube ich mir dabei eine Wiederholung. Wie in „Trittbrettmörder“ erwähne ich die Schultheater AG am Schloss, der ich in der Tat ein Stück lang angehörte. Ich sprang im letzten Schuljahr kurzfristig für einen Mitschüler ein und gab Exkönig Nimrod in Dürrenmatts „Ein Engel kommt nach Babylon“. Die Aufführung wurde zu verschiedenen Theatertreffen eingeladen. Sie war also ziemlich gut, was nicht unbedingt primär an mir lag.
Heute mal nicht die Welt retten
In „Zurück in die Jugend“ sieht sich der Zeitreisende Hannes Anfang Juni 1983 eine Aufführung des Englischleistungskurses an, „An Inspector Calls“. In seinem ersten 1983 war Hannes ziemlich scharf auf eine der Darstellerinnen, Britta aus der dreizehn. Also ein Jahrgang über Hannes – und damit unerreichbar? Damals? Und jetzt auf der Zeitreise? Ich will nicht spoilern. Stattdessen lasse ich Hannes kurz beschreiben, wie er Britta in seinem ersten 1983, trotz des Altersunterschiedes, kennengelernt hat:
„Wir kennen uns von der Projektwoche im Januar. Es war das einzige Projekt für die Oberstufe, bei dem es nicht ums Weltretten ging, das Projekt folglich, in dem alle Schüler landeten, die gerade mal nicht die Welt retten wollten. Gelandet wären, denn die Lehrer mussten losen und circa dreihundertfünfzig Schüler bitter enttäuschen – von dreihundertachtzig in der Oberstufe. Ungefähr zehn wollten die Welt retten, alle anderen bewarben sich um die zwanzig Plätze in diesem Projekt. Britta und ich hatten Losglück und jede Menge Spaß. Irgendwas mit Musik.“
Warum alt zu sein auch sehr schön ist
„Warum alt zu sein auch sehr schön ist“. Ich glaube, ich werde diesen Gedanken weiterverfolgen, bestimmt wieder mithilfe meiner Zeitreise-Geschichte, für die ich dann auch gleich werben kann. Ich möchte gern möglichst viele Menschen dazu bringen, „Zurück in die Jugend“ zu lesen. Egal, ob sie diese Zeit – wie ich ‑als Jugendliche miterlebt haben oder sie nur vom Hörensagen kennen. Es ist so eine fröhliche, positive Geschichte. Hach …
